Bauvorhaben und Naturschutz
Eine Checkliste
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5.1. Pflanzenqualitäten

 
5.1.1. Steckhölzer = unverzweigte Triebstücke von Gehölzen, die zu Stockausschlag fähig sind (Pappeln und alle Weiden außer Salweide).
• Länge zwischen 25 und 60 cm, Durchmesser zwischen 2 und 8 cm (je dicker, desto ge­ring­er die Austrocknungsgefahr), unten abgeschrägt.
• Guter Bodenkontakt wichtig, Steckhölzer werden zu mindestens drei Vierteln der Länge in den Boden gesteckt (in schweren Böden Löcher vorschlagen oder vorbohren).
• Durchführung während der Vegetationsruhe.
• Einsatz vor allem an Uferböschungen (Pflanzdichte 2 bis 5 Stück / m²).
• Bewurzelte Weidensteckhölzer sind für Extremstandorte geeignet (Schutthalden, Lücken zwischen Wasserbausteinen).
 
5.1.2. Wurzelnackte Pflanzen = Pflanzen ohne Erdballen; kostengünstig.
• Pflanzzeit auf wenige Wochen im Frühjahr (vor dem Austrieb) und im Herbst beschränkt.
• Müssen zur Zwischenlagerung an einem schattigen, feuchten, kühlen, windgeschützten Ort mit Erde eingeschlagen werden.
• Bei trockenen Bodenverhältnissen ist ohne Bewässerung mit größeren Ausfällen zu rech­nen.
 
5.1.3. Ballenpflanzen = Pflanzen mit Erdballen um die Wurzeln, der in ein Balliernetz (zB Jute- oder Kokosnetz, bei größeren Ballen auch Drahtgeflecht) eingehüllt ist.
• Verpflanzung grundsätzlich in der gesamten frostfreien Zeit möglich.
• Geringere Ausfallsquote als bei wurzelnackten Pflanzen.
 
5.1.4. Containerpflanzen = werden im Topf geliefert, indem die Pflanze großgezogen wurde; am teuersten.
• Verpflanzung grundsätzlich in der gesamten frostfreien Zeit möglich.
• Verpflanzungsschock geringer als bei wurzelnackten oder Ballenpflanzen.
• Insbesondere für extreme Standorte, vor allem für kalte Böden, trotz höherer Kosten am besten geeignet.
 
5.1.5. Gehölzsaatgut = Samen von Laub-, Nadelbäumen und Sträuchern.
• Aussaat im Frühjahr nach der Schneeschmelze oder im Herbst vor dem Winter.
• Simuliert eine Naturverjüngung.
• Besonders geeignet für steile, steinige Hänge, in denen Pflanzungen schwierig sind.
 
5.1.6. Standortgerechte Arten regionaler Herkunft pflanzen.
a) Wenn bei den Baumaßnahmen für eine Verpflanzung geeignete Gehölze anfallen, diese wieder verwenden. Dies gilt insbesondere für langsam wachsende (zB Latschen) und seltene Arten. Eine fachgerechte Lagerung (Einschlagen in Erde) sicherstellen.
b) Forstpflanzen aus dem passenden Wuchsgebiet einsetzen.
=> Wuchsgebiete Österreich: bfw.ac.at/db/bfwcms.web?dok=1144
=> Wuchsgebiete Deutschland: www.holz-von-hier.de/waldglobregio/Kartenmodul/ Wuchsgebiete/wuchsgebiete.html
c) Eine regionale Herkunft ist besonders bei kleinräumig variablen Arten wie Rosen und Weißdorn wichtig.
d) Bei Pflanzungen von Obstbäumen regionaltypische Hochstammobstsorten verwenden.
e) Keinesfalls Neophyten wie Seidiger Hartriegel (Cornus sericea), Kartoffelrose (Rosa rugosa), Rosmarinweide (Salix eleagnos angustifolia), Sommerflieder (Buddleja davidii), Runzelblättriger Schneeball (Viburnum rhytidophyllum), Kirschlorbeer (Prunus lauro­cerasus), Späte Traubenkirsche (Prunus serotina), Robinie (Robinia pseudoacacia), Essig­baum (Rhus typhina), Götterbaum (Ailanthus altissima) oder Bastard-Pappel (Populus x canadensis) verwenden.
 
=> naturtipps: Heimische Gehölze


Fotos
 
Eingeschlagene Weidensteckhölzer; dünne Steckhölzer trocknen leichter aus als mindestens 3 cm dicke Steckhölzer. Bewurzelte Steckhölzer sind für die Bepflanzung von Extremstandorten geeignet. Die geeigneten Pflanzzeiträume für Ballenpflanzen sind wesentlich größer als für wurzelnackte Gehölze. In der freien Landschaft sollten möglichst heimische Arten gepflanzt werden. Im Bild ein häufig verwendeterexotischer Hartriegel, der immer wieder mit der heimischen Art verwechselt wird.
Langsam wachsende Arten, beispielsweise Latschen, sollten möglichst wieder verwendet werden.


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